Reisen & Regionen

Die Weinstraßen Kaliforniens

Das flüssige Gold Kaliforniens: Definitiv eine Entdeckerreise wert … und noch eine und noch eine.

Die Idee einer Weinreise ist schon lange kein Geheimtipp mehr für einen gelungenen Urlaub. Aber wohin sollte es auf einer solchen Genusstour am besten gehen? Die Anbauregionen an Rhein und Mosel wären quasi Ziele vor der Haustüre und auch Frankreich, Spanien und Italien haben Einiges zu bieten. Wer aber gern mal abseits ausgetretener Pfade wandelt, das Besondere sucht, wer eine lässige Lebensart zu schätzen weiß und auch im Glas gern mal überrascht wird, den möchten wir auf eine Weinreise ins sonnige Kalifornien „schicken“.

Unser Tipp wäre es, nach San Francisco zu fliegen und von dieser ebenso spannenden wie schönen Stadt aus das Weinimperium an der Pazifikküste zu entdecken. Das einzige Problem, ist die Herausforderung zu meistern, aus der Vielzahl der Möglichkeiten, die sich dort eröffnen auszuwählen. Denn wer hat schon die Zeit, alle 3.000 (!) Weingüter Kaliforniens auf einmal kennenzulernen?

Tesla Road – Livermore Wine Country

In San Francisco gelandet und bereits von der Golden Gate Bridge aus einen Blick über die großartige Bucht geworfen? Prima, dann kann die Weintour starten. Los geht unsere Weinreise durch Kalifornien mit einem Kurztrip, der bei normaler Verkehrslage in etwa einer Autostunde gemeistert werden kann. Östlich von San Francisco liegt das Livermore Valley, heute die Heimat von rund 40 Weingütern. Das Anbaugebiet hat Geschichte; Namensgeber Robert Livermore setzte hier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten Reben – und er blieb nicht lange allein. Das Livermore Wine Country ist zwar schon lange kein Insidertipp mehr, aber noch ist es möglich, diese Region in aller Ruhe und ohne Massentourismus zu bereisen. Das gilt ganz besonders für den Frühling und den Herbst. Der Sauvignon Blanc der Region hat einen ebenso guten Ruf wie die Bio-Weine, die hier kultiviert werden.

Mendocino und Sonoma County

Nun geht es langsam weiter in Richtung der großen Namen und der ganz großen Weinauswahl! Ein toller Zwischenstopp wäre hier die Region Mendocino und Sonoma County. Wer mag, fährt dafür zurück nach San Francisco und dann etwa zwei Stunden in Richtung Norden. Die “Wine Road“ mit ihren rund 150 Weingütern ist bestens ausgeschildert. Das ganze Jahr über sorgt eine Winzervereinigung dafür, dass sowohl kulturell als auch kulinarisch einiges geboten wird. Eine „falsche“ Reisezeit gibt es hier also nicht.

Landschaftlich freilich entfalten die sanften Hügel des Tals und die großartigen Mammutbäume von Mai bis in den Oktober hinein ihren optimalen Reiz. Getrunken wird hier, was die Farbpalette von Rot über Rosé bis Weiß hergibt. Und die Tatsache, dass es in Sonoma County eine Anhäufung von Michelin-Sternen in der Gastronomie gibt, lässt einen weiteren, durchaus legitimen Rückschluss auf die Qualität dieser Weine zu.

Napa Valley

Wieder ist San Francisco Ausgangspunkt für eine Erkundungstour – und diesmal geht es endlich direkt ins Herz und die Seele der kalifornischen Weinkultur: Die Rede ist natürlich von Napa Valley – jenem Weinbaugebiet der Neuen Welt, das den klassischen europäischen Anbauregionen einst das Fürchten lehrte. Etwa eine halbe Stunde ist man von San Francisco aus unterwegs, bevor sich einem dieses flächen- wie qualitätsmäßig riesige Gebiet langsam offenbart. Hier herrscht ein so optimales Klima für Reben, dass die Winzer schon früh mit ganz großen Tropfen aufwarten konnten. Dazu kommt das faszinierende Ausmaß des Anbaugebietes, das einen scheinbar unversiegbaren Nachschub an Weinen garantiert. Kein Wunder, dass klassische Weinregionen in Deutschland, aber auch in Frankreich, Italien und Spanien, vor der Konkurrenz aus Napa Valley zitterten und es vielleicht sogar bis heute heimlich tun. Einmal angekommen, hat der Reisende nun nur noch die Schwierigkeit: Wo bitte, soll er anhalten und an welchem Weingut kann er ungestraft vorbeifahren?

Entscheidungshilfen bieten vielleicht die Spezialitäten, für die bestimmte Weingüter bekannt sind. Ganz allgemein hat sich das Napa Valley einen Spitzenruf für Weine aus den Rebsorten Cabernet-Sauvignon und Chardonnay erworben. Aber natürlich gibt es auch hervorragende Tropfen aus anderen Sorten. Es  empfiehlt sich, sich auf dieses Anbaugebiet gezielt vorzubereiten und sich vorab Kellereien auszusuchen, die man unbedingt besuchen will – und sich dann nicht von anderen verführen zu lassen.

Übrigens, auch Fans von Perl- und Schaumweinen kommen in diesem Teil Kaliforniens auf ihre Kosten. Weil nach Verkostung aber nicht mehr selber Auto gefahren werden wollte, bieten viele Weingüter auch Übernachtungsmöglichkeiten an. Von spartanisch bis absolut luxuriös ist alles zu haben – letzteres übrigens häufiger als ersteres.

In diesem Zusammenhang möchten wir auf die Erwähnung eines Namens nicht verzichten: “The French Laundry“ von Küchenchef Thomas Keller in Yountville gilt als eines der besten Restaurants in den gesamten Vereinigten Staaten. Yountville selbst ist der exklusive Mittelpunkt von Napa Valley. Wer hier bei einem guten Glas Wein in einem Straßencafé sitzt, wird tolle Sportwagen, schöne und reiche Menschen und vielleicht sogar den einen oder anderen Promi aus Hollywood zu Gesicht bekommen.

Zum guten Schluss noch one for the road

Glücklich, wer nach dem Napa Valley und vor der Heimreise noch die Gelegenheit hat, weintechnisch einen Gang runterzuschalten. Das wäre der ideale Ausklang einer kalifornischen Weinreise. Kandidaten dafür wären etwa der “Madera Wine Trail“ im Central Valley in der Nähe von Fresno. Die Region hat durchaus Weingeschichte zu bieten, erlebt aber erst seit kurzem einen Boom. Noch kann man hier mal einen Winzer persönlich treffen, dafür ist das Gebiet andererseits aber noch nicht perfekt touristisch erschlossen. Gute Vorbereitung, vor allem in Sachen Öffnungszeiten, ist daher wichtig.

Das “Temecula Valley Wine Country“ ist dagegen bereits ein Begriff in der internationalen Weinwelt, wird von deutschen Touristen aber dennoch etwas vernachlässigt. Vielleicht spielt die Nähe der kalifornischen Wüste dabei eine Rolle? Jedenfalls vermutet man eher keine Spitzenweine – findet sie aber. Dabei führen Shiraz und Chardonnay die Liste der erfolgreichsten Gewächse an.

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1 Kommentar

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    Herta
    19. Juni 2017 at 14:23

    Schöner Artikel, der weckt Reiselust.

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