Menschen & Geschichten

Interview mit Claudia Schug Schütz vom California Wine Institute

Wir stellen vor: Claudia Schug Schütz, deutsche Botschafterin für Wein aus Kalifornien

Wir können uns keine bessere Besetzung für den Posten einer kalifornischen Weinbotschafterin in Deutschland vorstellen, als Claudia Schug Schütz. Die Weinexpertin ist nicht nur eine vielfach ausgezeichnete Fachfrau, sie hat darüber hinaus auch dafür noch die passendste Vita, die man sich nur vorstellen kann.

Auch bei Claudia Schug Schütz fängt natürlich alles bei den Eltern an. Die stammen aus angesehenen deutschen Weinfamilien, wandern aber bereits in den frühen Sechziger-Jahren nach Kalifornien aus. Tochter Claudia wächst also im Napa Valley auf, studiert an der Stanford University und lernt in San Francisco alles über Marketing. Der Berufsweg ist vorgezeichnet.

Nachdem sie der Liebe wegen nach Deutschland zieht, baut sie eine eigene Weinimportfirma auf und vermarktet zudem die Weine ihrer Eltern in Europa.

Ihr exzellenter Ruf in der Fachwelt macht sie schließlich zu einer gefragten selbstständigen Beraterin, Referentin in der Weinwirtschaft – und bekam beim California Wine Institute den Posten der Botschafterin, den sie heute mit großer Begeisterung und großem Erfolg ausfüllt.

Die Seele hinter dem California Wine Institute Deutschland – im persönlichen Gespräch

Ein Interview ist ein Interview? Nein. Ein persönliches Interview ist immer etwas ganz Besonderes, weil es dabei eben nicht um ein Geschäft geht, sondern um einen Menschen – einen Menschen, sein Herz, seine Intention, seine Motivation, etwas so zu machen, wie er es macht. Ein persönlicher Austausch kann oft die ausgedachten Fragen über den Haufen werfen – zum Glück, denn dann kommt ein solches Gespräch heraus, wie das mit Frau Schug Schütz. Es war ein wunderbares Gefühl, ihr zu lauschen, jedes Wort strahlte mit der kalifornischen Sonne um die Wette.

In der Vorbereitung erfuhr ich, dass ihre Eltern mit einem VW Käfer nach Kalifornien auswanderten. Sie fuhren 1961 mit einem Schiff nach New York und von dort mit viel Gepäck im und Skiern auf dem Käfer quer durch Amerika nach San Francisco.

Ich war so neugierig, weil es wunderbar nach Abenteuer roch – doch als Frau Schug Schütz zu erzählen begann, war das alles unbedeutend. Ich spürte, dass meine Fragen nebensächlich werden würden und einmal mehr nur eine Art Leitfaden sind.

„Mein Vater wuchs auf dem (von seinem Vater geführten) Staatsweingut Assmannshausen auf und hatte aus diesem Grund keine Verpflichtung, ein Familienbetrieb zu übernehmen. Ende der 50er Jahre kam ein Gremium kalifornischer Winzer im Rahmen einer Besichtigung deutscher Weingebiete auf dieses Weingut zu Besuch. Sie verkosteten die aufgestellte Weinprobe von meinem Großvater – und waren so begeistert, dass sie meinem Vater, Walter Schug, anboten, nach seinem Studium an der Weinbau-Hochschule Geisenheim doch nach Kalifornien zu kommen.“

Aus dieser Einladung wurde eine „deutsch-kalifornische“ Symbiose, die bis heute Bestand hat. Ich lauschte ihren Erzählungen und erfuhr, dass ihr Vater nach dem Studienabschluss vor dem endgültigen Aufbruch nach Kalifornien 1959 eine Schnupperzeit in Kalifornien verbrachte.

„Wissen Sie, Visionen gären wie ein Wein!“ So fasste Frau Schug Schütz ihre Schilderungen über den Antrieb ihres Vaters zusammen. Sein Ziel vor Augen, seine Leidenschaft zum Wein trieben ihn vorwärts.

Ich wollte wissen, was Walter Schug in Sachen Wein aus Deutschland nach Kalifornien brachte und war überrascht über die klare, eindrucksvolle Antwort: „Seine Expertise, seine Ausbildung, seine Genauigkeit, seine Präzision, seine Technik.“

Welche Eigenschaften haben Sie dann bei Ihrer Auswanderung „zurück“ nach Deutschland mitgenommen?

„Das Wissen, dass nichts unmöglich ist!“ – und ich möchte an dieser Stelle hinzufügen, dass sie viel mehr mitgebracht hat: Sonne, Lebensfreude und ein faszinierendes Charisma. Frau Schug Schütz erzählte mir von ihrem „neuen“ Leben, ihrer Familie, von Herausforderungen, von einer Arbeit, die ihr Leben vollständig machte und komplett werden ließ. Davon, dass ihr Vater seinem Herzen nach Kalifornien gefolgt ist und sie ihrem – in ein kleines Städtchen an die Ruhr, zu ihrem Mann, der hier aufwuchs. „Ich wohne oben auf einem Berg, direkt am Wald, habe unglaublich viel Natur um mich herum und aus dem Fenster einen wunderbaren Ausblick – in die Ferne und herunter auf die Stadt – auf mein kleines, persönliches San Francisco.“ und weiter: „Was sich vielleicht kaum jemand vorstellen kann: Ich genieße unglaublich die Verkehrsanbindungen, die Infrastruktur hier. Ich kann im Grunde jederzeit in einen Bus, eine Bahn steigen und mich an jeden Ort bringen lassen – in Sonoma geht das nicht.“

Was ist in der heutigen Zeit die größte Herausforderung für ein Weinunternehmen?

„Das Marketing, die Werbung. Es gibt viele gute Weine, viele gute Weinmacher, Länder, Geschichten – da auf sich aufmerksam zu machen, ist kein einfaches Unterfangen. Der Außenwirkung, der Außendarstellung muss man sich absolut bewusst sein. Ein Unternehmen muss nicht nur Wein machen, sondern das ganze Drumherum beherrschen. Dabei sind Winzer lieber in ihrem Keller, als in der Öffentlichkeit, lieber in den Weinbergen, als auf Facebook. Es ist wichtig, seine Nischen zu finden, aus seinen Weinen, aus sich selbst eine Marke zu machen. Weinunternehmen agieren auf einem globalen Markt: Jeder kann überall hin verkaufen – oder eben nicht. Den Kunden, seinen Kunden zu finden – die, die den Wert sehen – macht das immer schwerer.“

Das Niveau deutscher Pinot Noirs (Spätburgunder) ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Was unterscheidet in Ihren Augen einen Pinot Noir aus Kalifornien mit einem aus Deutschland?

„Die Unterschiede kann man nicht verallgemeinern. Es kommt viel auf den Boden und das Klima an, hier haben sowohl Kalifornien, als auch Deutschland eine große Vielfalt – aber Terroir ist nicht alles. Die Entscheidungen des Winzers macht einiges aus: der eine Winzer erntet früher, der andere später. Der eine baut in neutralen Fässern, der andere in neuen Fässern aus. Und je nachdem, ist dann ein Pinot beim ersten Schluck einfach zugänglicher, als bei einem anderen. Viele sind schon in jungen Jahren eine Freude, andere reifen mit der Säure wunderbar nach. Es kommt immer auf die Philosophie des Winzers an. Grundsätzlich würde ich nie sagen, dass ein Wein besser schmeckt, sondern einfach anders.“

Gibt es einen Wein-Mythos, mit dem Sie aufräumen möchten?

Da gibt es einige. Diesen Moment möchte ich aber dafür nutzen, klar zu sagen: Es gibt in Kalifornien nicht nur große Betriebe! Über 75% der Weingüter, Betriebe, sind kleine (Familien-) Unternehmen, die weniger als 50.000 Flaschen im Jahr abfüllen. Und viele von diesen Kleinen, machen große Weine – wenn Sie möchten, zeige ich sie Ihnen.“

Ein Angebot, dass man liebend gerne annehmen möchte, oder? Ich weiß nicht, wann ich nach Kalifornien reisen werde – freue mich aber, nun zu wissen, dass Sonoma irgendwie ein Stück auch in Wetter an der Ruhr liegt.

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