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Kaltern am See – ein Südtiroler Dorf l(i)ebt Wein

Kaltern am See, ein kleiner Ort an der Südtiroler Weinstraße, nennt sich stolz „eines der schönsten Weindörfer der Welt“ und tut sehr viel dafür, diesen Ruf überall bekannt zu machen. Da wird man natürlich neugierig. Und sagt nicht Nein, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, selbst einmal dorthin zu reisen. Auf geht’s!

Wein Weg Kaltern

Im Herbst machten sich drei Kolleginnen des Vinexus-Teams also auf den Weg in eine Gegend, deren Weinen man im Alltag doch eher selten begegnet. Bei einem verlängerten Wochenende in Kaltern konnten wir uns vor Ort ein eigenes Bild machen und herausfinden, ob sich der vollmundige Superlativ bestätigen lässt.

Vinexus hat durchaus einige namhafte Südtiroler Weine im Sortiment, dennoch hat man den Eindruck, die Region könnte von internationalen Weinliebhabern noch ein bisschen besser entdeckt werden. Aus Kaltern selbst war bis zu unserer Reise nur ein Weingut im Südtirol-Portfolio vertreten, aber das kann sich ja durchaus ändern.

Überhaupt nicht kalt in Kaltern

Das Weindorf im Überetsch ist zunächst wegen seines malerischen Charmes interessant, vor allem aber wegen seiner idealen Lage zwischen Bergen und dem Kalterer See, dem wärmsten Badesee der Alpen. Der See sorgt für ein mediterran mildes Klima und dafür, dass in und um Kaltern herum nicht nur Trauben und Äpfel, sondern auch Palmen, Oliven, Datteln, Feigen und Granatäpfel bestens gedeihen. Außerdem ist der Kalterer See der Namensgeber für den gleichnamigen Rotwein, den sogenannten „Kalterersee“ aus Vernatsch.
Seiner besonderen Lage hat es Kaltern zu verdanken, dass in den kühleren Höhenlagen hochwertige weiße Trauben wachsen und gleichzeitig an den sanften, wärmeren Tallagen hin zum See die roten Rebsorten fantastische Bedingungen finden.

Der Weinbau findet auch in Kaltern selbst statt, nicht nur auf den Hängen rund um das Dorf. Auch im Ort ist jeder noch so kleinste Winkel mit Rebstöcken bepflanzt. Es ist keine Seltenheit, dass direkt hinterm Haus, unterm Balkon oder hinter der Hotelterrasse ein kleiner Weingarten anfängt, in dem die Hühner zwischen den Rebstöcken scharren.
Aufgrund der steilen Hänge und sehr unterschiedlichen Flächengrößen der individuellen Weinberge kann ein Großteil der Flächen in und um Kaltern nur per Hand bewirtschaftet werden. Die Weinbergsflächen sind oft sehr klein, viele örtliche Weinbauern besitzen weniger als einen Hektar Fläche, was es nahezu unmöglich macht, eigenen Wein zu produzieren und zu vermarkten. Deshalb haben sich schon früh zu Beginn des 20. Jahrhunderts erste Genossenschaften gebildet, mit dem Ziel, auch im Modell der Kooperative qualitativ anspruchsvolle, hochwertige Weine zu produzieren.

Auf unserem Tagesprogramm in Kaltern stehen Besuche, Kellerführungen und Verkostungen bei verschiedenen großen und kleinen Weingütern und einer Kellereigenossenschaft. Wir treffen spannende Weinpersönlichkeiten, lernen viel über die örtliche Weintradition und bekommen interessante Einblicke in Betriebe und Vinotheken ganz unterschiedlicher Ausrichtung.

Als besonderes Highlight besuchen wir das Kalterer Weinkulinarium. Eine tolle Veranstaltung auf dem historischen Marktplatz des Ortes, bei der die örtlichen Weinproduzenten, Gastronomen und Vereine den Besuchern ihre Köstlichkeiten vorstellen. Es bietet sich die schöne Gelegenheit, die verschiedensten Kalterer Weine zu probieren und direkt mit den Erzeugern darüber ins Gespräch zu kommen. Wie wir es schon von unserer eigenen Hausmesse kennen, ist es immer ein besonderes Erlebnis, von jemandem den Wein eingeschenkt zu bekommen, der mit seiner ganzen Person hinter dem Produkt steht, der begeistert vom aktuellen Jahrgang und seinen Eigenheiten erzählen kann. Das Kalterer Weinkulinarium vermittelt einen sehr guten und bleibenden Eindruck von der Bandbreite der Kalterer Weine.

Wir flanieren durch den alten Ortskern, gönnen uns ein Gelato und bewundern die historische Architektur des typischen Überetscher Baustils mit seinen Türmchen, Erkern und Arkaden. Alle paar Schritte tut sich ein neuer malerischer Winkel auf, wirklich sehr hübsch.

Der Kalterer Weinwanderweg – mittendrin statt nur dabei

Natürlich gehen wir auch ein paar Kilometer den Weinwanderweg entlang, der flankiert von Weingärten und Apfelplantagen in Windungen durch die Talhänge zum See hinunter führt. Eingelassen in den Weg sind schmale Streifen aus weißem Kalkstein, die die klangvollen Namen der Kalterer Weinlagen tragen, der sogenannten „Riegel“. Diese Riegelnamen gehen teils auf rätische und romanische Ursprünge zurück und klingen dementsprechend in unseren Ohren faszinierend exotisch.

Rechts und links ziehen die Berge die Blicke auf sich, leider zart grau verschleiert, trotzdem imposant. Zu dieser Zeit Anfang Oktober sind die Trauben teils schon geerntet, aber einige Rebstöcke hängen noch voll mit saftigen Trauben in allen Schattierungen. Insbesondere der Vernatsch soll nach dem Willen der Weinbauern noch ein paar hoffentlich sonnige Tage abbekommen. Ab und zu düsen auf dem Weg kleine Traktoren an uns vorbei, beladen mit Kisten voller Trauben. In den Weinbergen und auf den Apfelplantagen sieht man die Spuren der gerade stattfindenden Ernte. Eine gewisse Spannung liegt in der Luft, denn es ist nicht ganz klar, ob das aktuell leicht graue Wetter Regen bringen wird oder doch noch den ersehnten Sonnenschein. Auf den Steinmäuerchen, die die Weinberge begrenzen, machen kleine Eidechsen das beste aus der Situation und genießen die ab und zu hervorblitzenden Sonnenstrahlen, vor lauter Idylle ist es fast nicht auszuhalten. Aber wir schaffen es und genießen frische Luft, atemberaubende Aussicht und das schöne Gefühl, uns mitten im Wein-Geschehen zu bewegen.

Obwohl am Anfang des Weinwanderwegs ein Schild mahnt, auf dem Weg zu bleiben und die Ernte der süßen Früchte den Bauern zu überlassen, dürfen wir mit vorheriger Genehmigung doch eine kleine Kostprobe von Äpfeln und Trauben nehmen: saftig, süß, herrlich lecker.

Traumpaar: guter Wein & köstliche Gerichte aus der Region

Überhaupt sind kulinarische Genüsse und Geselligkeit auch ein großes Thema in Kaltern, ganz besonders im Herbst. Wir hatten natürlich vorher darüber gelesen und konnten uns während des Besuchs selbst vom Wahrheitsgehalt überzeugen. Gutes Essen und guter Wein gehören hier und in ganz Südtirol einfach untrennbar zusammen. Dabei wird besonders großer Wert gelegt auf frische, hochwertige und regional produzierte Zutaten. Besondere Berühmtheit haben der Südtiroler Speck und das Schüttelbrot völlig zu Recht erlangt, die hier einfach zu jeder Brotzeit dazu gehören. Aber auch die aromatischen „Keschtn“ (Kastanien), die leckere Polenta aus vor Ort angebautem Mais und die unwiderstehlichen Schlutzkrapfen (mit Quark und Gemüse gefüllte Teigtaschen) begeistern uns nachhaltig. Dass dazu natürlich immer der passende, köstliche und vor allem einheimische Wein gereicht wird, versteht sich von selbst.

Was bleibt?

Schön war’s in Kaltern. Mangels Vergleich lassen wir den selbstsicheren Superlativ einfach mal so stehen und können bestätigen: Kaltern ist in der Tat eine sehr charmante Perle zwischen Bergen und See, hat für den anspruchsvollen Genießer einiges zu bieten und ist unbedingt eine Reise wert.

 

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