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Studium in Neuseeland: Zu Besuch bei Seifried

Ein Traum für viele Weinliebhaber: Einmal einen der fantastischen, herrlich aromatischen Sauvignon Blancs, mit denen sich Neuseeland schwungvoll und unwiderruflich auf die internationale Weinlandkarte katapultiert hat, vor Ort zu verkosten. Unser Werkstudent und "Auslandskorrespondent auf Zeit" Tim konnte sich diesen Traum erfüllen und berichtet von seinen Erlebnissen in dem faszinierenden Weinland am anderen Ende der Welt.

Während meines Studiums in Heilbronn habe ich die Chance genutzt und ein Auslandssemester in Napier, Neuseeland verbracht. Eine spannende und sehr lehrreiche Zeit, bei der ich einige Weingüter besuchen und neben der Uni-Theorie auch ganz praktische Einblicke in die neuseeländische Weinwirtschaft sammeln konnte. Eines dieser Weingüter ist Seifried Estate.

Eine leicht salzige Brise schlägt mir ins Gesicht, als ich die Autotür öffne. Die direkte Küstennähe ist spürbar, obwohl man den Ozean nicht sehen kann. Seifried Estate liegt knapp über Nelson und im gleichnamigen Anbaugebiet im Norden der neuseeländischen Südinsel. Das Gebiet grenzt an die deutlich größere und bekanntere Weinregion Marlborough, ist jedoch klimatisch betrachtet sonniger und wärmer. Umgeben von weitläufigen Rebflächen liegen auf der einen Seite die gesamten Produktions- und Verwaltungsgebäude. Auf der anderen Seite steht die Vinothek mit integriertem Restaurant.

Gegründet wurde das Weingut 1973 mit dem Bepflanzen der ersten Flächen von Hermann und Agnes Seifried.  Hermann, ein gebürtiger Österreicher, kam 1971 nach Neuseeland mit dem Traum, Wein anzubauen. In Agnes fand er Ehefrau und Geschäftspartnerin zugleich, die denselben Traum hatte.  Gemeinsam setzten sie ihn in die Tat um und betreiben heute ein erfolgreiches und renommiertes Weingut, in dem europäische Tradition und neuseeländische Weinkultur ein aufregende Symbiose eingehen.

Seifried Estate – ein Weingut in Familienhand

Anna Seifried, die jüngere Tochter von Hermann und Agnes, begrüßt mich. Sie ist, wie ihre beiden Geschwister, nach ihrer Ausbildung und einigen Auslandsaufenthalten wieder in das familiäre Weingut zurückgekehrt und kümmert sich heute insbesondere um den Bereich Vertrieb und Marketing. Sie zeigt mir den Betrieb und schnell lerne ich das erste betriebliche Prinzip kennen: Zentralisierung. Verwaltung, Produktion, Abfüllung und das Hauptlager sind alle zusammengefasst. Bei der Größe des Weingutes nicht unbedingt üblich, aber sehr effektiv.
Über eine Leiter gelangen wir zu den offenen Tanks in denen jeder Seifried-Rotwein eine Maischegärung durchläuft. Anschließend werden die Weine traditionell in Barrique-Fässern ausgebaut. Weiter geht es in die Halle nebenan. Dort werden die Weißweine vergoren. Der Sauvignon Blanc ist mit einem Anteil von 55% an der Gesamtproduktion das Rückgrat des Weingutes. Der Gründer Hermann Seifried ließ daher selbstgestaltete Stahltanks bauen, um den Sauvignon Blanc so bearbeiten zu können, dass er dem eigenen Ideal entsprach. Die Leidenschaft der Tank- und Fassgestaltung treibt den Gründer noch immer um und er ist die entscheidende Instanz in diesem Bereich. Die Halle der Weißweine zeugt von der Expansion des Weingutes. Hier kann man das Wachstum in Form von diversen Anbauten gut sehen.

Das Jahr 2017: gute Qualität, wenig Menge

Moderne Press-, Filter- und Abfüllanlagen runden die Produktion ab. Exportanfragen können schnell und qualitätsorientiert erfüllt werden. Die Sprache kommt auf den aktuellen Jahrgang 2017, in Neuseeland ein ziemlich herausforderndes weinbauliches Jahr. Neben starkem Regen kurz vor der Ernte gab es auf der Südinsel auch ein Erdbeben, das in einigen Regionen große Schäden anrichtete. Seifried Estate blieb davon verschont. Der Regen setzte den Trauben jedoch zu.

Anna Seifried ist trotzdem mit der Qualität zufrieden. Sie sagt aber, dass die Menge deutlich gelitten hat, da viele Trauben aussortiert werden mussten. Außerdem verrät sie ein weiteres grundlegendes Prinzip ihrer Arbeit: Die verschiedenen Weinlinien sollen bestmöglich herausgestellt werden. Dabei werden starre Herkunfts- und Qualitätsverknüpfungen gelöst. In der Praxis bedeutet das, dass der Ertrag eines jedes Weinberges separat vergoren, dann verkostet und dann erst den jeweiligen Weinlinien zugeteilt wird.

Große Vielfalt mit hoher Qualität

Zum Abschluss habe ich noch die Gelegenheit, in der Vinothek aktuelle Weine zu verkosten. Obwohl die Seifried-Weine im Sortiment von Vinexus zu finden sind, hatte sich in Deutschland bisher keine Gelegenheit zum Probieren ergeben. Besonders gespannt bin ich, wie wohl die österreichischen Klassiker Zweigelt und Grüner Veltliner in einer neuseeländischen Interpretation daherkommen. Mein anfängliches Zweifeln an den für Neuseeland sehr außergewöhnlichen Rebsorten wird sofort zerstreut. Schon die Erläuterungen während der Führung haben mir gezeigt, dass hier eine klare Vision vertreten und umgesetzt wird. Die Weine können das nur bezeugen. Ich bin überrascht, wie ausdrucksstark Grüner Veltliner, Zweigelt und Gewürztraminer auftreten. Auch die unterschiedlichen Ausbauweisen des Sauvignon Blancs überzeugen mich.
Und um auch abschließend bei der Rebe zu bleiben: Einfach genial, wie neuseeländischer Innovationsgeist auf europäischen Wurzeln wächst und welche tollen Qualitäten daraus resultieren!

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