Reisen & Regionen

Südtirol: eine Weinregion erfindet sich neu

Kennen Sie Südtirol oder waren Sie schon einmal dort? Je nachdem, wen man fragt, erhält man auf diese Frage ein Kopfschütteln oder ein wissendes, zufriedenes Lächeln.

Eine Vorstellung von der Region hinter den sieben Bergen haben allerdings viele, auch die, die noch nicht vor Ort waren. Nicht selten geht sie in Richtung altmodischer Alpintourismus mit rüstigen Wandersmännern, die Kniebundhosen und Lodenhütchen tragen und beim zünftigen Speckbrot in der Berghütte Rast machen. Wenn in diesem Bild überhaupt Wein vorkommt, dann ist es meist ein schwerer, süßlicher Roter. Ist diese Vorstellung noch zeitgemäß? Wir werden sehen …

Südtirol, oder Alto Adige, wie die Region auf Italienisch heißt, liegt im Nordosten Italiens an der Grenze zu Österreich und der Schweiz. Die Gegend ist seit Langem bekannt für den Anbau von Wein und Obst und für ihre landschaftliche Schönheit. Südtirol ist eine der kleinsten Weinanbaugebiete Italiens, gleichzeitig ist es eine der Regionen mit den größten geographischen Unterschieden. Der Weinbau beginnt im Norden an den steilen Hängen der Berge und erstreckt sich nach Süden in die schon mediterran anmutenden sanft auslaufenden Tallandschaften.

Nachdem vor allem im 19. Jahrhundert in Südtirol hauptsächlich unkomplizierter Rotwein für den europäischen Massenmarkt produziert worden war, erfolgte nach dem 1. Weltkrieg der Einbruch dieser Nachfrage. Viele Weinbauern mussten ihre Produktion deutlich reduzieren oder konnten sich gar nicht mehr halten. Nach diesem starken Einbruch der regionalen Weinwirtschaft erfolgte jedoch schließlich eine Rückbesinnung zur Qualität, eine Umorientierung zur selektiven Weinproduktion und Schärfung des regionalen Profils.

Die Südtiroler Weinbauern besannen sich auf ihre Stärken, nämlich die einzigartigen geographischen Gegebenheiten und ihre einheimischen Rebsorten:

  • Lagrein
  • Vernatsch
  • Gewürztraminer (Die Elsässer wollen diese Traube ebenfalls als autochthon beanspruchen, aber das Örtchen Tramin liegt in Südtirol, also wer hat’s erfunden?)

Außerdem erkannte man, dass auch bestimmte internationale Rebsorten in Südtirol exzellente Bedingungen vorfinden würden. Deshalb gedeihen hier nun auch rote und weiße Trauben, die man aus anderen Ecken der Weinwelt kennt:

  • Blauburgunder
  • Merlot
  • Cabernet Sauvignon
  • Weißburgunder
  • Grauburgunder (hier „Ruländer“ genannt)
  • Sauvignon Blanc
  • Chardonnay

Bleibt alles anders

Der wichtigste Leitspruch der örtlichen Weinproduzenten lautet heute: Klasse statt Masse. Die autochthonen weißen und roten Rebsorten charakterisieren nach wie vor das Profil der Südtiroler Weine. Doch die Italienische Binnennachfrage nach Weißweinen hat für eine verstärkte Ausrichtung auf den Anbau weißer Sorten gesorgt, die sich vor allem in den steilen Höhenlagen hervorragend entwickeln. Nach wie vor entstehen traditionelle Rotweine von sehr guter Qualität, doch hat sich Südtirol mittlerweile auch als Produzent erstklassiger Weißweine von besonderer Frische und Klarheit einen Namen gemacht. Dementsprechend sieht man heute in vielen Weinkellern Südtirols viele glänzende Stahltanks und Anlagen für die Produktion von Weißweinen und zunehmend auch Schaumweinen blitzen, der Einsatz von Holz findet mittlerweile seltener und nur noch sehr gezielt statt.

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