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Als Wein wäre Konstantin Baum ein Grand Cru – mindestens!

Sehr viele Leute lieben Wein. Viele kennen sich gut damit aus. Und dann gibt es weltweit eine verschwindend kleine Zahl von Menschen, die so viel Wissen über Wein und so viel Gefühl für ihn besitzen, dass sie sich Master of Wine nennen dürfen.

Konstantin Baum, Master of Wine

Konstantin Baum, Master of Wine | Foto: Rebecca Sampson

Weniger als 400 Männer und Frauen weltweit zählen derzeit zu diesem illustren Kreis der Masters of Wine, der seit 1953 besteht und in den ausschließlich eine Reihe äußerst anspruchsvoller Prüfungen führt. In Deutschland hat es Konstantin Baum 2015 in diesen Olymp der Weinexperten geschafft. Heute nutzt er seine Expertise, seine Erfahrungen, Beziehungen und vor allem sein fast detektivisches Gespür für neue, unentdeckte Tropfen, um seine Kunden mit neuen Weinen aus aller Welt zu begeistern. 

Vom Rheingau rund um den Globus

Von nichts kommt nichts. Das gilt im Leben allgemein, das gilt im Weinberg und natürlich gilt es auch für Persönlichkeiten wie Konstantin Baum. Der jüngste Master of Wine, den es in Deutschland bislang je gegeben hat, hat sein Fachgebiet von Grund auf gelernt. Nach einer Ausbildung zum Restaurantfachmann absolvierte er zunächst im Rheingau das Studium der Weinwirtschaft, erlernte anschließend in London den Handel mit erlesenen und teuren Spitzenweinen, um sich dann auf Reisen buchstäblich rund um den Globus immer weiter zu entwickeln. Dabei hat er keinen Kontinent ausgelassen, zugegeben aber die eine oder andere Anbauregion besonders ins Herz geschlossen. Zu diesen Regionen gehört Kalifornien.

Stilwandel im kalifornischen Weinbau

„The Golden State“, wie Kalifornien seit dem Goldrausch auch genannt wird, hat für Konstantin Baum eine besondere Bedeutung. Nicht nur, weil er die Menschen, die Gegend und die Weine zwischen dem Napa Valley und San Francisco im Norden und San Diego im Süden so gerne mag. Sondern auch, weil er seit 2019 für den Interessenverband California Wines Europe mit Vorurteilen aufräumt. Das Weininstitut mit seinen Sitzen in Den Haag und San Francisco hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Stilwandel in den kalifornischen Regionen international bekannter zu machen. Zu häufig, so die Ansicht dort, denken Konsumenten bei Kalifornien noch an wuchtige, holzige Tropfen mit marmeladigen Untertönen. Dabei hat auf vielen Weingütern längst ein Umdenken stattgefunden, die Weine sind insgesamt schlanker, definierter und kühler geworden. Wer könnte das den europäischen Konsumenten besser näherbringen als Konstantin Baum?

Taufrischer Morgennebel für kühle Kalifornier

Deutschlands junger Master of Wine interessiert sich schließlich ganz besonders für die American Viticulture Areas (AVA), die in den 1980er-Jahren in den Weinregionen der Vereinigten Staaten eingeführt wurden. Sie definieren Unterregionen in den riesigen US-Anbaugebieten und können in etwa mit den geschützten Herkunftsbezeichnungen in Europa gleichgesetzt werden. Kaliforniens AVAs eint allesamt die Nähe zum Pazifik. Darüber hinaus geben sie Aufschluss über den jeweils besonderen Charakter ihrer Weine – wenn man die AVAs denn kennt. Konstantin Baum ist eine Art Botschafter dafür, er führt große Seminare, Meisterklassen und Verkostungen zum Thema durch. Ein Beispiel ist etwa eine große Veranstaltung, die im März 2020 in Hamburg stattfand und bei der 600 Weine von hundert kalifornischen Gütern vorgestellt wurden. Den staunenden Teilnehmern hat der Master of Wine dabei den Kopf vernebelt – allerdings nur im übertragenen Sinne, als er über die imposanten Morgennebel referierte, die die Reben in vielen kalifornischen AVAs so taufrisch kühlen.
Dieses anregende Gespräch mit Konstantin Baum zu führen war mir eine Ehre und Vergnügen, vielen Dank.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Wein zu Ihrem Beruf zu machen? Welcher Beruf wäre eine Alternative gewesen?

Sie meinen, ob es eine Art Schlüsselerlebnis gab? Nun ja, ich bin in Bielefeld aufgewachsen – vielleicht zählt das auch schon als Schlüsselerlebnis.
Ich habe nach dem Abitur wie so viele überlegt, was ich denn nun machen, welchen Weg ich gehen soll. In einem Gespräch mit meinem Vater darüber, welche Bereiche mir denn liegen würden – und welche nicht – kam dann die Idee auf, ins Hotel zu gehen und Hotelmanager zu werden. Da meine Devise stets „ganz oder gar nicht“ lautet, sollte es aber schon ein richtig gutes Haus sein. Ich absolvierte meine Ausbildung im Brenner´s Park-Hotel in Baden-Baden, jedoch als Restaurantkaufmann. (Konstantin Baum gewann 2005 die Deutsche Meisterschaft des DEHOGA Bundesverbands). Während der Ausbildung hatte ich viele Gelegenheiten zu Verkostungen und die großartige Chance, vom F&B-Manager und dem Sommelier zu lernen. Mein Interesse am Wein war geweckt. Nach der Ausbildung ging ich nach Dublin in ein 2-Sterne Restaurant, entdeckte dort weitere tolle Weine und wollte noch mehr kennenlernen, noch viel mehr. Mich zog es nach Nelson / Neuseeland und ich ging von dort aus dann in den Rheingau nach Geisenheim, um Weinwirtschaft zu studieren. Im Anschluss nach London, wo ich mit den teuersten Weinen zu tun hatte …

Wie würden Sie die Stilistik der Weine aus Kalifornien beschreiben? Warum sind sie anders als alle anderen?

Kalifornien hat mich schon bei einer Reise durch die USA nach meinem Abi unglaublich fasziniert. Die Weinbauregion Kalifornien wird oft missverstanden und ist nur in Amerika selbst so richtig erfolgreich. Aber es ist in den vergangenen Jahren so viel passiert. Unglaublich spannende Stile haben sich entwickelt. Es wird viel weniger überextrahiert. Viele junge, innovative Produzenten verändern die Weinkultur, prägen sie neu, prägen sie anders. Das Schlagwort „The New California Wine“ steht für die Individualität des kalifornischen und vom Pazifik beeinflussten Terroirs. Diese Weine sind unglaublich präzise, frisch, kraftvoll und haben Finesse. Kalifornien hat mehr als nur „Kult-Cabernets“, sondern auch fantastische Pinots, Zinfandel oder Chardonnays zu bieten. Gerade an der Westküste – wie beispielsweise in Santa Barbara – werden neue Weinberge erschlossen und rücken in den Fokus. Hier herrscht Freiheit, Innovation, Utopie und man kann auch ohne eigene Weinberge und Besitztümer … einfach machen, zum Wandel beitragen und experimentieren.

Welche (Charakter-)Eigenschaften braucht ein Master of Wine und Education Amabassador?

In jedem Land begegnet man anderen Herangehensweisen. Man lernt nie aus und lernt mit jedem Tag, mit jedem Wein und mit den Menschen dahinter Neues dazu. Deswegen braucht es Neugier und Aufgeschlossenheit.

Was meinen Sie, welche Weintrends zeichnen sich in Kalifornien gerade ab? Wie schätzen Sie die Zukunft ein?

Die Einzellagen, die individuelle Herkunft rückt mehr ins Zentrum. Unterschiede und Möglichkeiten werden besser verstanden. Die Lagen wurden lange Zeit verkannt, das wird sich ändern.

Mit welcher (historischen) Persönlichkeit hätten Sie gerne eine Flasche von Ihrem Lieblingswein getrunken und was hätten Sie sie gefragt?

Ich würde gerne mit Bob Dylan Wein trinken – einfach so und einfach viel.

Worauf sollte ich beim Kauf von Wein aus Kalifornien achten – also, wenn ich ihn nicht vorher probieren kann?

Bewertungen, Kritiken und der Vergleich untereinander sind ein guter Weg. Ein Cabernet Sauvignon aus Napa wäre ein guter Einstieg. Aber viel spannender ist es, aus dem Schema rauszugehen und neugierig zu bleiben, neugierig zu werden. Probieren Sie sich durch Sonoma, Santa Barbara, die Küste von Mendocino entlang bis zu den Hügeln von Lake County – und entdecken Sie Zinfandel, Sauvignon Blanc, Carignan, Grenache und Petite Sirah aus dem sonnenverwöhnten Kalifornien.

Obige Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Copyright: California Wines Institute

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