Menschen & Geschichten

Jean-Jacques Dubourdieu – ein Bordeaux-Winzer der nächsten Generation

Sein früh verstorbener Vater war der legendäre "Weißweinpapst" Denis Dubourdieu, der in den 1980er Jahren den Weißwein aus Bordeaux erfolgreich aus einem Nischendasein zu neuer Beliebtheit führte. Er selbst übernahm gemeinsam mit seinem Bruder Fabrice die Führung der Familienweingüter und geht insbesondere auf dem Gut "Clos Floridène" moderne Wege der Bewirtschaftung. Für unser Magazin hat Jean-Jacques Dubourdieu ein paar Fragen zu seiner Arbeit beantwortet.

Das Weingut Clos Floridène gehört zu den Domaines der traditionsreichen Winzerfamilie Dubourdieu in Bordeaux. Gelegen in der Appelation Graves, erzeugt Clos Floridène verschiedene Rotweine und  Weißweine sowie einen Rosé. Die Dubourdieaus sind besonders bei Weißweinfreunden bekannt für ihre frischen, aromatischen und eleganten Weißweine. Als studierter und weiterhin forschender und lehrender Önologe konnte Vater Denis Dubourdieu seine wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Weißwein in seine praktische Arbeit im Familienbetrieb konstant einbringen und kontinuierlich an der Verfeinerung seiner Methoden arbeiten. Nach Denis‘ Tod 2016 führen heute die Söhne Jean-Jacques und Fabrice den Betrieb und versuchen, Ihre zeitlosen, hochwertigen Bordeaux-Weine einer neuen Generation von anspruchsvollen Weingenießern näher zu bringen.

Wenn es darum geht Bordeaux-Weine einer neuen Generation zu präsentieren, was stellen Sie sich darunter vor?

Jean-Jacques Dubourdieu: Bordeaux ist eine große Weinregion mit echter Diversität. Ich denke, unsere Hauptaufgabe besteht darin, diese große Vielfalt zu zeigen und zu erklären. Ich glaube nicht, dass es die Region Bordeaux stärker macht, wenn man versucht die Vielfalt zu reduzieren und zu vereinfachen. Wir sollten die Menschen bilden, indem wir erklären, warum das Thema Bordeaux-Weine komplex ist, und erklären, wie sie die Region und ihre Weine besser verstehen können.

Sie tragen einen großen Namen: Ihr Vater Denis Dubourdieu wurde wegen seiner wegweisenden Arbeit häufig „Weißwein-Papst“ genannt. Was bedeutet das für Sie heute noch?

Jean-Jacques Dubourdieu: Unsere Familie erzeugt Weine in der Region Graves seit 1794. Im Jahr 1924 ergab sich die glückliche Gelegenheit, ein kleines klassifizierte Weingut zu erwerben: Doisy Daëne. Mein verstorbener Vater Denis Dubourdieu hat sehr viel für den Weinbau im Allgemeinen getan und im Besonderen für Weißweine aus Bordeaux. Wir setzen sein Erbe fort, indem wir versuchen ausdrucksvolle Weine zu kreieren, mit einem Höchstmaß an Respekt im Umgang mit der Umwelt und den Menschen.

Fabrice und Jean-Jacques Dubourdieu

Sie produzieren nachhaltig und naturbewusst, planen Sie eine Umstellung auf zertifizierten Bio-Anbau?

Jean-Jacques Dubourdieu: Wir folgen verschiedenen nationalen und internationalen Umweltmanagementformen. Seit 2011 tragen wir das Siegel ISO 14001, später kamen 2015 das Zertifikat HVE 3 dazu, 2017 „Phytocheck“ und 2019 das Siegel „Bee friendly“. Wir unterhalten 200 Hektar Nadelwald, um eine einigermaßen ausgeglichene CO2-Bilanz zu erreichen. Wir produzieren 130 Tonnen Kompost und dank einer großen Solaranlage ist Clos Floridène weitestgehend energieunabhängig. Mein Großvater Pierre Dubourdieu, 96 Jahre alt, lebt mitten in den Weinbergen. Mir ist klar, dass alle diese Maßnahmen nicht mit einer offiziellen Bio-Zertifizierung gleichzusetzen sind, aber um ehrlich zu sein … ich habe das Gefühl, wir engagieren uns bereits jetzt intensiver als es das offizielle Bio-Zertifikat verlangt.
Wir sind außerdem Mitglied des Projekts IOF2020 in Zusammenarbeit mit der EU: Die Idee ist als dort angebundenes Weingut mit Sensoren überall im Weinberg und im Keller den Energieverbrauch zu messen, die Temperatur, Niederschlagsmengen etc.

Seit 1794 sind wir hier und ich hoffe auf weitere Jahrhunderte …. vielleicht sind diese Vergangenheit und unsere bisherige Entwicklung der beste Beweis für die Anpassungsfähigkeit eines nachhaltigen Familienunternehmens.

Stellen Sie sich vor, Sie wären nicht in eine Winzerfamilie geboren worden: Welcher Beruf außer Winzer wäre für Sie noch in Frage gekommen?

Jean-Jacques Dubourdieu: Da gäbe es für mich zwei verschiedene Optionen:
– Irgendwas in der Gastronomie … auf eine Art dann doch wieder verbunden mit Wein!
– Rechtsanwalt: Jeder braucht irgendwann einmal einen Verteidiger!

Zum Schluss interessiert uns natürlich noch: Was hat es mit dem Schiff auf den Etiketten der Floridène-Weine auf sich? 

Jean-Jacques Dubourdieu: Meine Mutter hat das Etikett in den früher 1980er Jahren entworfen. Mein Vater las ein Segelmagazin mit diesem Schiff auf der Titelseite, das hat meine Mutter zu einem Re-Design inspiriert.
Erst vor ein paar Jahren ist uns klar geworden, dass es sich bei diesem Segelschiff um die berühmte Yacht „America“ handelt. Die „America“ überquerte im Jahr 1851 den Atlantik, um an der internationale Regatta rund um die Isle of Wight teilzunehmen. Die Mannschaft aus New Yorker Abenteurern und Segelpionieren stellte sich der Herausforderung, gewann das Rennen und brachte die Siegertrophäe zurück in die Heimat. Aus diesem Sieg entstand der heute berühmte America’s Cup.
Das ist eine lustige Geschichte, denn Clos Floridène startete 1983 aus dem Nichts und war genau wie die Yacht America ein ehrgeiziger Herausforderer am Markt. Also haben wir durch Zufall genau das richtige Logo für uns gewählt!

 

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten, M. Dubourdieu.

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