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New Old World – Premiumweine aus Rumänien

Als in Deutschland die Mauer fiel, kam es auch in Rumänien zu einem Befreiungsschlag. Die Privatisierung setzte ein. Staatsbetriebe wurden abgewickelt. Ana Rodica Căpăţînă vertritt seit rund dreißig Jahren Winzer ihrer Heimat. Alle Schritte auf dem mühsamen Weg der Erneuerung rumänischer Weinkultur hat sie begleitet – von der Wende bei der Kultivierung traditioneller Rebsorten, über bauliche wie technische Modernisierung der Weingüter bis zum Wiederanschluss an das Weltniveau im Weinhandwerk. Unsere Spitzenweine, sagt die Präsidentin der Asociatia pentru Promovarea Vinului Romanesc (APVR) im Interview, haben ein Qualitätsniveau erreicht, mit wir uns international sehen lassen können.

Ana Rodica Căpăţînă vertritt als Präsidentin einen Verband rumänischer Winzer. Deren Premiumweine jetzt neu im Sortiment von Vinexus.

Mit Beginn des Jahres füllte sich die neue Kooperation zwischen Vinexus und den „Premium Wines of Romania“ der APVR mit Leben. Auf Ihre Empfehlung nahmen wir fünfzig verschiedene Premiumweine aus Rumänien in unser Sortiment auf. Wie kam die Zusammenarbeit zustande, Frau Rodica?

Ana Rodica Căpăţînă: „Im Auftrag unserer Mitglieder suchte ich einen starken Handelspartner. Er sollte die internationalen Märkte bedienen können und zukunftssicher im Online-Handel aufgestellt sein. Das brauchen wir. Bei meinem ersten Besuch in Butzbach stellte sich heraus, dass einer der Geschäftsführer Rumänien von Reisen kannte und unsere Weine zu schätzen wusste. Gemeinsam wollen wir Weinliebhaber mit unserer Begeisterung anstecken. Es wird exklusive Probierpakete geben, mit denen wir Sie einladen, auf Entdeckungsreise zu gehen in die neue uralte Weinkultur meines Heimatlandes“.

Die APVR wurde im Juni 2015 gegründet. Ihr gehören 16 Mitglieder an. Wonach wurden die Weinproduzenten ausgewählt und welche Aufnahmekriterien müssen neue Mitglieder erfüllen?

Ana Rodica Căpăţînă: „Mein Vorbild ist der deutsche VDP mit seinen Prädikatsweingütern. Über ein Jahr besuchten wir die Weingüter des Landes, 200 insgesamt. Sie sollten nicht zu groß sein, aber immerhin so viel Anbaufläche besitzen, um für den Export produzieren zu können. Großbetriebe mit mehreren hundert Hektar kamen für mich nicht infrage. Wir wollen handwerklich gefertigte, herkunftsgeprägte Premiumweine, die die stilistische Vielfalt unserer Weinlandschaften abbilden. Versierte Önologen verkosteten den Wein. Das erforderliche Qualitätsniveau muss über mindestens fünf Jahrgänge gehalten werden. Allerdings sollte es menschlich auch zwischen uns stimmen. Unsere Mitglieder sind Individualisten, wie alle Künstler“.

Rumänien hat eine tausendjährige Weinanbautradition, deren Stern in Zeiten der Diktatur verblasste. Wo sehen Sie heute die Marktlücke für rumänischen Wein? Was zeichnet ihn aus?

Ana Rodica Căpăţînă: „Wir Rumänen haben Wein im Blut. Überall im Land wird Wein angebaut. Jeder, selbst der Städter baut sich einen Stock an, allein um Tafeltrauben zu haben oder daraus Most zu machen. Auf dem Land besitzen die meisten einen Weinkeller. Diese Liebe zum Wein bekam mit der Privatisierung neuen Schwung. In den letzten zehn Jahren spezialisierten sich die Weinbauern und kultivierten verstärkt die heimischen Rebsorten aus alter Zeit. Darin kommen die Eigenheiten des reichen Terroirs besonders gut zum Ausdruck. Unser Land hat so viel zu bieten, so unterschiedliche Regionen. Und so kommt es, dass eine ausdrucksstarke Traube wie unsere Fetească Neagră, die bei Euch „Schwarze Mädchentraube“ heißt, danach drängt, Charakterstärke zu beweisen, um ihr süßes Image endgültig loszuwerden. Das macht Spaß.“

Rumänien ist das Land lebendiger Mythen. Haben Sie zum Schluss noch eine schöne Weingeschichte für uns?

Ana Rodica Căpăţînă: „Eine haben Sie in einem früheren Beitrag für dieses Magazins bereits erwähnt. Zur Zeit des Dakerkönigs Decebal trachteten die Römer danach, sich die Weinberge anzueignen, von denen so exzellente Tropfen herstammten. Decebal erfuhr von der bevorstehenden Invasion und befahl seinen Untertanen einen radikalen Rebschnitt. Damit war das begehrte Gut in den Augen der Feinde wertlos. Im Sommer darauf schlugen die Stöcke so kräftig wie nie zuvor aus. Daraus schloss man bereits vor vielen tausend Jahren, dass ein gezielter Rückschnitt künftige Ernten verbessern kann.“

Dankeschön für das Gespräch!

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1 Kommentar

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    Herta
    5. Juni 2018 at 11:19

    Toller Einblick in ein interessantes Weinland.

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