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Ribera del Duero: Eine Region macht sich stark für die Weinwelt

Die Winzer der Ribera del Duero haben es sich auf die Fahne geschrieben, ihren Weinen endlich zu dem ihnen zustehenden Platz zu verhelfen. Der befindet sich, davon ist man überzeugt, an der Spitze Spaniens.

D. Enrique Pascual García

D. Enrique Pascual García

Wer in Spanien Rotweine produziert, – und besonders im Anbaugebiet Ribera del Duero – der muss sich warm anziehen, zumindest in Sachen Export. Denn, ob gerechtfertigt oder nicht, die Nachbarregion ist international als DIE iberische Rotwein-Region schlechthin bekannt. Bis jetzt jedenfalls.

Doch der internationale Ruf eines Weines wird eben nicht nur von seiner Qualität bestimmt. Um dem Gebiet Ribera del Duero – das übrigens auch fantastische Weißweine zu bieten hat – zum Durchbruch zu verhelfen, sind auch selbstbewusste Vermarktungsstrategien und eine entsprechende Organisation dahinter vonnöten. Die Anfänge der Verbände in der Schwesterregion „Ribera Y Rueda“ reichen in die frühen Achtzigerjahre zurück. Ihnen glückte 1980 und 1982 mit der Einführung geschützter Herkunftsbezeichnungen ein kraftvoller Doppelschlag.

Fortan gab es für die Entwicklung der Gesamtregion kein Halten mehr.

Consejo Regulador

Schon ein paar Zahlen sprechen Bände: Als 1982 die D.O Ribera del Duero ins Leben gerufen wurde, gab es in der Region ganze neun Weingüter und 15.000 Hektar Rebfläche. Heute produzieren 270 Güter auf 55.000 Hektar und die Rebsorte, die dort fast so etwas wie ein Garant für Erfolg ist, ist die Tempranillo. Ihr Siegeszug ist eng mit dem Verband „Consejo Regulador“ verbunden, der nicht nur für die Einführung der geschützten Herkunftsbezeichnung gesorgt hat. Er hat zum Beispiel auch die Kriterien festgelegt, wann ein Tempranillo die Herkunftsbezeichnung führen darf – nämlich wenn er mindestens aus 75 Prozent der Rebsorte besteht. Auch die Namenszusätze wie „Crianza“, „Reserva“ und „Gran Reserva“ unterliegen der Kontrolle durch den Verband. Der Verbraucher kann sich anhand dieser Bezeichnungen darauf verlassen, dass die Weine eine bestimmte Zeit im Barrique reifen durften.

Rotweinfreunde, die bislang auf Cabernet Sauvignons aus Frankreich schwören und auf einen körperreichen Rotwein mit guten Tanninen setzen, können im Tempranillo aus der Ribera eine echte Alternative finden. Einfach mal ausprobieren!

Bei der Schwester gibt es Weißwein

Auch für die Rueda gelten solch strenge Kriterien, die sowohl den Anbau als auch die Arbeit im Keller regulieren. In der Rueda allerdings regiert die Farbe Weiß und mit ihr die traditionelle Rebsorte Verdejo. Von den 32500 Hektar Anbaufläche nimmt sie allein 28.800 ein – das darf man dann wohl ruhigen Gewissens als „Dominanz“ bezeichnen, oder? Insgesamt rund 1500 Weinbauern liefern ihre Trauben an 69 Weingüter und produzieren so den Stolz der Region – „Rueda Verdejo“. Um diesen Namen tragen zu dürfen, müssen die Tropfen mindestens aus 85 Prozent Verdejo bestehen. Obwohl diese Rebsorte typisch für die Rueda ist, wäre sie beinah ausgestorben. Dafür war eine Invasion von Rebläusen verantwortlich, die die Stöcke im späten 19. Jahrhundert befiel. Erst in den1970er-Jahren gelang es, Verdejo wieder mit Erfolg anzubauen.

Die Siebzigerjahre. In dieser Zeit wurde sowohl in der Ribera del Duero als auch in der Rueda eher Masse als Klasse produziert. Diese Entwicklung konnte nur durch die Verbandsgründung und die damit bald einhergehende geschützte Herkunftsbezeichnung aufgehalten werden.

Die Voraussetzungen für hervorragende Weine waren und sind beeindruckend. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass in der Rueda bereits seit dem zehnten Jahrhundert Wein produziert wurde. Durchschnittlich 2600 Stunden Sonnenschein pro Jahrgang, äußerst geringe Niederschläge und regelmäßige sanfte Winde sorgen für ein Klima, das die Verdejo liebt. Sie mag kalte Winter und sehr heiße Sommer und gedeiht unter diesen Umständen optimal. Ohne dass die Winzer viel dazutun müssen, bedeutet das, dass sie in „Bio“-Qualität heranwächst. Freunden von knackigen Sauvignon Blancs und/oder Pinot Grigios seien Verdejos aus der Rueda unbedingt zum Probieren ans Herz gelegt.

Export ist das Motto der nahen Zukunft

Den Export zu stärken, das ist das erklärte Ziel von Enrique Pascual García, dem derzeitigen Präsidenten des Verbandes „Consejo Regulador Ribera del Duero“. Dabei setzt er nicht auf einen Wettkampf mit anderen spanischen Regionen, die Rotwein produzieren. Ihm kommt es vielmehr darauf an, die Vorteile der eigenen Tropfen zu unterstreichen. So schwärmte er kürzlich in einem Interview mit britischen Händlern davon, wie allein die Böden für den unverwechselbaren Charakter der Ribera-Weine sorgen: „Sie spiegeln eine Jahrtausende alte Weinkultur wider“. Natürlich hinterlässt eine solche Tradition wohlschmeckende Spuren; das Klima, ambitionierte Winzer und modernste Kellertechnik tun ein Übriges: „Wir haben erstklassige Produkte und werden alles dran setzen, den Namen unserer Region weiter in der Welt zu stärken.“

Wir sind stolz darauf und dankbar, dass wir Enrique Pascual – Vorstand des Kontrollrats der D.O. Ribera del Duero – für unser Magazin ein paar Fragen stellen durften. Jetzt wissen wir umso mehr: Es sind auch die Menschen, die diese Region so besonders machen.

War Ihnen immer klar, dass Sie den Wein zu Ihrem Beruf machen wollten?

Enrique Pascual: Ich verbrachte meine Kindheit inmitten von Weinbergen, sah meinem Großvater und meinem Vater bei der harten Arbeit zu und freute mich über die gute Entwicklung jeder Ernte. Wein ist ein Teil meines Lebens, ich habe nie daran gedacht, etwas anderes zu tun.

Ich bin ein Mann vom Land, ich trage die Ribera del Duero tief in mir. Und ich wusste immer, dass ich mein Leben in meinem Dorf verbringen, Trauben anbauen und das Familienweingut führen wollte. Ich wollte die Arbeit meiner Eltern fortführen und den Familiennamen weiterhin in die ganze Welt tragen. Und heute stelle ich fest, dass ich mit meinen Entscheidungen und der Tatsache, dass ich so viele kleine Herausforderungen und so viele große Leistungen vollbracht habe, nicht zufriedener sein könnte.

Welche Charaktereigenschaften benötigen Sie als Kellerei-Besitzer und als Leiter des Kontrollrats der DO Ribera del Duero?

Enrique Pascual: Vor allem Geduld, die Fähigkeit zuzuhören und immer an das Gemeinwohl zu denken. In beiden Fällen ist es wichtig, daran zu denken, dass der Weg, den sie eingeschlagen haben und jeder Schritt, den sie machen, für eine Familie steht. Sie sind nie allein, weil sie das Label Ribera del Duero tragen. Deshalb ist es notwendig, großzügig zu sein, offen anderen Meinungen zu begegnen und zu wissen, dass sie oft geduldig sein müssen.

Wie würden Sie den Stil der D.O.-Weine der D.O. Ribera del Duero mit drei Schlüsselwörtern beschreiben, was macht sie besonders?

Enrique Pascual: Qualität, Eleganz, Komplexität. Die Weine der Ribera del Duero sind ein Ausdruck des Terroirs. Und es gibt keinen Ort auf der Welt mit den geologischen und klimatischen Bedingungen, wie unsere Appellation sie hat.

Worauf muss ich beim Kauf eines Weins aus der D.O. Ribera del Duero achten, wenn ich ihn nicht zuerst kosten kann?

Enrique Pascual: Wenn er den Stempel der Herkunftsbezeichnung Ribera del Duero trägt, wissen Sie, dass der Wein von garantierter Qualität und einen Versuch wert ist. Für jeden Gaumen und jeden Moment des Genusses gibt es einen Ribera del Duero. Ich habe volles Vertrauen, dass der Verbraucher, der sich entscheidet, eine Flasche Wein von einem unserer Weingüter zu kaufen, nie enttäuscht wird.

Die Weinherstellung in der Region Ribera del Duero hat eine lange Tradition, ist jedoch eine relativ junge D.O. und nimmt moderne Entwicklungen auf. Was ist traditionell in der Weinherstellung in der Ribera del Duero und was ist innovativ?

Enrique Pascual: Ribera del Duero ist aus bürokratischer Sicht eine junge Appellation – aber sehr alt, was die Wurzeln der Weinbautradition in unserer Region betrifft. Überreste vergangener Zeiten, der Vaccea und der römischen Zivilisation zeigen, dass hier schon lange Trauben angebaut und Wein hergestellt wird. Und diese Tradition lebt mit uns weiter. Die Art und Weise, wie die Trauben behandelt werden, die Auswahl der Trauben, die Sorgsamkeit, wie die Trauben geerntet werden, immer von Hand, die Zeiten der Alterung… All dies haben wir von unseren Vorfahren geerbt. Logischerweise haben wir uns der Moderne nie verschlossen und haben Elemente eingebaut, die das Ergebnis verbessern. Wenn ich neuere Ergänzungen hervorheben müsste, die Qualität in unsere Arbeit eingebracht haben, würde ich sagen, dass das Experimentieren mit anderen zugelassenen Rebsorten zweifellos für die D.O. von Vorteil war.

Wie schwierig ist es, mehrere verschiedene Weingüter, Persönlichkeiten und Vorlieben in einer einzigen Marke zu vereinen, die für Weinliebhaber und Kunden einen Wiedererkennungsfaktor hat?

Enrique Pascual: Der Verbraucher ist immer auf der Suche nach Qualität, damit sein Geld nicht verschwendet wird und damit diese Flasche Wein genossen werden kann. Und das ist die Prämisse, die im Weingut immer als Ausgangspunkt genommen wird. Die Tempranillo-Traube in Ribera del Duero ist ausdrucksstark, sie ermöglicht die Herstellung sehr unterschiedlicher Weine. Es ist ein außergewöhnlicher Rohstoff. Und davon ausgehend, ist es einfach, mit unterschiedlichen Reifezeiten zu arbeiten, um eine Palette von Weinen zu erhalten, die allen Anliegen gerecht wird. Das Wichtigste ist, immer Qualität als Ziel zu haben.

Was meinen Sie: Gibt es einen aktuellen Trend beim Wein? Wie sehen Sie die Zukunft?

Enrique Pascual: Bei den Herkunftsbezeichnungen geht der Trend zu feineren Weinen, mit mehr Fruchtausdruck und Komplexität, aber dennoch leicht zu trinken. Und dabei spielt ein nachhaltiger, umweltfreundlicher und integrierter Weinbau eine entscheidende Rolle. Wir sind uns sehr bewusst, dass unsere Arbeit ein ernsthaftes Umweltengagement erfordert. So ist es immer gewesen und so wird es auch bleiben.

Welche Orte und Sehenswürdigkeiten sollte der Besucher in Ribera del Duero besuchen? Spielt der Weintourismus in den Weinkellereien der Region eine wichtige Rolle?

Enrique Pascual: Der Weintourismus ist die Spitze der Pyramide. Die Tatsache, dass der Verbraucher weiß, was wir sind, dass er in unsere Seele eingetaucht ist, bewirkt eine größere Loyalität. Jeder, der Ribera del Duero besucht, wird tausend Gründe finden, wiederzukommen. Unser Erbe mit unglaublichen mittelalterlichen Burgen und alten Weinpressen, lässt niemanden gleichgültig. Die Gastronomie selbst ist eine einzigartige Attraktion. Dann die Natur, die so eng mit dem Wein verbundene Freizeitgestaltung, verschiedene Weingüter… die Möglichkeiten sind endlos.

Welchen Wein haben Sie zu Hause immer parat und welche Temperatur empfehlen Sie für die Weine aus der Ribera? Welches Essen würden Sie zu diesem Wein servieren und warum ist diese Kombination so köstlich?

Enrique Pascual: Für ältere Weine empfehle ich, diese zwischen 16° und 18° Grad zu servieren. Junge, Eichen- und mittelalte Weine genießt man am besten zwischen 12° und 14° Grad. Und unsere Weiß- und Roséweine werden zwischen 8° und 10° Grad genossen.

Es gibt keinen bestimmten Wein auf meinem Tisch, das hängt vom Tag ab. Im Sommer mangelt es nicht an einem guten Rosé oder einem frischen jungen Wein. Aber das Übliche ist es, mit einer guten Crianza zu essen. Besser ist es, wenn sie von gebratener Blutwurst begleitet wird, ein paar Koteletts auf den Kohlen. Und an großen Tagen genieße ich gebratenes Lamm, das eine Delikatesse ist, mit einem Reserva oder Gran Reserva – wie zum Beispiel einem Wein, den ich besonders schätze und der aus Trauben eines Weinbergs hergestellt wird, den mein Vater gepflanzt hat, als er zum Wehrdienst ging.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus? Ist es einfach oder kompliziert, die Arbeit im Weingut mit Ihrer Position im Verwaltungsrat der Ribera zu verbinden?

Enrique Pascual: Nichts ist schwierig, wenn es Leidenschaft gibt. Jeden Morgen wache ich auf und meine erste Station ist der Weinberg. Danach verbringe ich, wenn es keine anderen Verpflichtungen gibt, den Vormittag im Weingut. Ich reise viel, um meine Weine auf anderen Märkten zu präsentieren und repräsentiere immer die Ribera del Duero. Präsident der Herkunftsbezeichnung zu sein, erfordert auch eine vorbildliche Koordination.

Obige Bilder sind urheberrechtlich geschützt. ©  Ribera del Duero 

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